Ohne Moos nix los

Der Hunger ist groß, aber der Kühlschrank weist nur noch eine vertrocknete Käsescheibe auf, der Strom ist abgestellt und das Portmonee leer. Fast jeder Studierende kennt das: „warum ist bloß am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?“Angesichts steigender Lebenserhaltungskosten und Semestergebühren ist es für Studierende teils schwierig, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. BAföG wird nicht jedem gezahlt oder reicht nicht aus. Außerdem möchte sich nicht jeder abhängig machen, sei es von den Eltern oder vom Staat. Darum habe ich mir die Frage gestellt, wie junge Menschen dieser Tage ihr Studium finanzieren und mich einmal an der Hochschule und in der Stadt umgehört und umgeschaut.

Schon die SZ titelte im August dieses Jahres „Nie wieder Bettelstudent“. Darum sollen an dieser Stelle einige Nebenjobs, die vielleicht nicht ganz so alltäglich sind, etwas aus dem Rahmen fallen oder auch heftige Diskussionen hervorrufen, dargestellt werden.

Eine der schnellsten Möglichkeiten regelmäßig in Erfurt an etwas Bargeld zu gelangen ist das Plasmaspenden bei Haema (15 € für die Plasmaspende, 20 € pro Blutspende). Als Nebeneffekt des Blut oder Plasmaspendens handelt man sinnvoll und kann mitunter Leben retten. Gut erkennbar am Verband sind fast täglich in der Stadt oder der Uni PlasmaspenderInnen zu treffen. Offensichtlich sind auch Jobs als Partyfotograf oder im Bereich Promotion beliebt und, wie ich beim Nachfragen erfuhr, gar nicht so schlecht bezahlt (10 € pro Stunde). Doch diese Jobs können für die Arbeitenden und auch deren Umfeld nervenraubend sein. Gerade in den Sommermonaten ähnelt der Weg über den Anger einem Hindernisparcours vorbei an zahlreichen Ständen, die von Tierpatenschaften bis Zeitungsabonnements alles an den Mann oder die Frau bringen möchten.

Glaubt man dem Buch „Fucking Berlin“, so wird auch die Prostitution als lukrative Nebenbeschäftigung angesehen. Schon im 18. Jahrhundert verdienten Studenten ihren Unterhalt als Liebhaber reicher Damen[1]. Dies soll heute nicht anders sein? Ist, was in größeren Städten wie Berlin offenbar geschieht, auch im beschaulichen Erfurt denkbar? Meine Recherchen ließen jedenfalls keinen Hinweis auf Verwicklungen von StudentInnen im ältesten Gewerbe der Welt zutage kommen.

Ein etwas ungewöhnlicher und riskanter Zuverdienst scheint vielleicht auf den ersten Blick die Teilnahme an medizinischen Studien und Tests, doch auch hier sind Studierende anzutreffen. Durchgeführt vom Unternehmen Socratec geht es meist um Verträglichkeiten verschiedener Medikamente. Diese können vom einmaligen Test einer Halsschmerztablette, was ich selbst ausprobiert habe, bis hin zur Einnahme geringer Dosen des synthetisch hergestellten Opioids Methadon reichen. Bei letzterem erfolgt natürlich eine intensivere und längere Betreuung. Dennoch muss sich jede teilnehmende Person mit eventuellen Risiken und der ethischen Komponente auseinandersetzen.

Gerade in den Semesterferien sind häufig Jobangebote zu finden, bei denen es darum geht, Autos an Autobahnen zu zählen oder Personen, die den Nahverkehr nutzen. Auch Fahrgastbefragungen an Haltestellen, sowie in Bussen, Zügen und Straßenbahnen zu ihren Fahrscheinen werden mit bis zu 8 € pro Stunde bezahlt.

Über all diese Jobs kann man unterschiedliche Ansichten vertreten, doch wer studieren möchte ist gezwungen, die finanzielle Versorgung zu planen. Nicht in jedem Studium ist aufgrund der Fülle an Vorlesungen und des Lernumfangs ein Nebenjob möglich, wodurch Verdienstmöglichkeiten sich auf die Semesterferien beschränken. Dann fällt die Auswahl schon schwieriger und wer Praktika absolvieren muss oder möchte, ist zeitlich ebenfalls beschränkt. Aus diesem Grund arbeiten viele Studierende dann am Wochenende. Doch gerade in Praxissemestern ist es notwendig, sich darauf zu konzentrieren, besonders weil nebenher meist Begleitveranstaltungen stattfinden oder Praxisberichte geschrieben werden müssen.

Mein Fazit heißt also: Wenn der Kühlschrank das nächste Mal leer ist, ladet euch einfach bei KommilitonInnen ein, das fördert auch gleich noch die kommunikativen Aspekte. Außerdem haltet die Augen offen, habt Mut den ein oder anderen ausgefallenen Job zu erledigen und mit Durchhaltevermögen und etwas Glück findet sich vielleicht auch ein bezahltes Praktikum.


[1] SZ vom 27./28. August 2011

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